Erneuerbare Energien DIY – Bürgerenergieprojekte

Zusammenfassung: Immer mehr Menschen wollen eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Denn spätestens die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat deutlich gemacht, dass Atomenergie keine saubere Alternative für die klimaschädlichen fossilen Energieträger ist. Um die Entwicklung hin zu einer sicheren Energieversorgung zu beschleunigen, haben sich vielerorts Bürgerenergieprojekte formiert.

 

 

Bei Bürgerenergieprojekten ziehen alle am gleichen Strang.

Bei Bürgerenergieprojekten ziehen alle am gleichen Strang.

Manchmal dauern die Dinge einfach zu lange. Die Warteschlange vor Dir am Bahnschalter, die Arbeitswoche bis zum Wochenende und die konsequente Energiewende in Deutschland – Warten ist ermüdend!

 

Gegen lange Warteschlangen und nicht enden wollende Arbeitstage lässt sich nicht viel ausrichten. Die Energiewende lässt sich jedoch durchaus voranbringen. Daher wollten in den vergangenen Jahren viele Gemeinden und Interessensgruppen nicht mehr länger warten und sind selbst aktiv geworden. Sie haben Bürgerenergieprojekte gegründet, mit denen sie für die saubere und sichere Energieversorgung ihrer Gemeinde selbst Sorge tragen.

 

 

Reaktorkatastrophe pusht Energiewende

Natürlich gab es schon seit mehreren Jahrzehnten Befürworter von erneuerbaren Energien. Doch seit der Reaktorkatstrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 ist sehr viel Bewegung in den Ausbau von erneuerbaren Energien gekommen. Die traurige Erkenntnis: Ein Reaktorunfall von enormem Ausmaß bewirkt mehr als Vernunft und Einsicht. Der Ausstieg aus der Atomenergie ist nun beschlossene Sache. Darüber hinaus ist die Umstellung von fossilen zu regenerativen Energieträgern gesellschaftlich und politisch gewünscht.

 

Derzeit stammen bereits rund 30 Prozent unserer Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. Gemäß dem Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG) soll bis zum Jahr 2025 der Anteil auf 45 Prozent gesteigert werden, zehn Jahre später soll der Anteil dann bei 60 Prozent liegen. Schritt für Schritt lösen so Sonne, Wind und Wasser die klimaschädlichen Energieträger Öl, Gas und Kohle ab.

 

 

Liberalisierter Strommarkt

Während lange Zeit die Stromversorgung eine kommunale Aufgabe war, kannst Du seit Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Deinen Stromanbieter frei auswählen. Im Zuge der Umsetzung der EG-Richtlinie zum Energiebinnenmarkt wurde der Strommarkt liberalisiert, seit 2005 zeichnet die Bundesnetzagentur für eine flächendeckende Energieversorgung im freien Wettbewerb verantwortlich. Die Liberalisierung des Strommarktes hat bewirkt, dass viele kommunale Stromversorger verkauft wurden. Entsprechend wurde der Markt schnell von Energieriesen wie RWE, E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall dominiert, bei denen das Thema erneuerbare Energien nicht sehr weit oben auf der Agenda stand.

 

Doch die neugeregelte Anbietervielfalt in der Energiewirtschaft, hat auch ermöglich, dass Energiegenossenschaften und Bürgerenergieprojekte als Stromanbieter auftreten konnten. Seit Fukushima ist die Nachfrage nach Öko-Strom sprunghaft angestiegen. Hier konnten die großen Energiekonzerne nur wenig überzeugende Angebote liefern. Entsprechend setzten sich viele Bürger für den Rückkauf kommunaler Stromversorger ein, gleichermaßen stieg das Interesse am Angebot von Bürgerenergieprojekten und –genossenschaften, die bereits seit Jahren die Energiewende im „Do-it-Yourself“-Verfahren umsetzten.

 

 

Bürgerenergieprojekte – lokal handeln für sauberen Strom

Energieversorgung aus regenerativen Quellen vor der eigenen Haustür.

Energieversorgung aus regenerativen Quellen vor der eigenen Haustür.

Sicher kennst Du den Spruch „global denken, lokal handeln“, er kann auch als Motto von Bürgerenergieprojekten gelten. Schließlich sind diese Projekte, grundsätzlich dahingehend motiviert, das globale Klima zu schützen und fossilen Energieträgern und der unsicheren Atomenergie eine Absage zu erteilen. Gleichzeitig werden Menschen hier aktiv und setzen die Energiewende vor Ort um: als lokaler Stromversorger und Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien. So wird das Klima geschützt und die Gemeinde langfristig und kostengünstig mit sauberer Energie versorgt. Ein weiterer wichtiger Vorteil: Die gesamte Wertschöpfungskette ist fest in der Region verankert und fließt nicht in die Kassen großer Energiekonzerne. Darüber hinaus sind Bürgerenergieprojekte nur ihren Mitgliedern verpflichtet und müssen keinen Shareholder Value bedienen.

 

Die Arbeitsweise der Bürgerenergieprojekte, Energiegenossenschaften oder auch Bürgerenergiegesellschaften, so die offizielle Bezeichnung, basiert weltweit auf den gleichen Grundsätzen. Das Projekt ist durch seine Mitglieder fest in der Kommune verankert. Die Mitgliedschaft ist frei und offen. Die Mitglieder üben eine demokratische Kontrolle aus und bestimmen die Arbeit des Projektes maßgeblich mit. Zugleich sind die Mitglieder auch wirtschaftlich durch ihre Investitionen am Energieprojekt beteiligt und profitieren auch entsprechend vom Erfolg des Projektes.

 

Konkret sieht das dann so aus: Bürgerenergiegesellschaften bauen eigene Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen auf und betreiben diese. Wenn diese Möglichkeit vor Ort nicht besteht, können sich die Projekte auch finanziell an bestehenden Anlagen beteiligen. Der gewonnene Strom fließt in die direkte Stromversorgung der Gemeinschaft.

 

Neben Anlagen für Wind- und Sonnenenergie sind Energieprojekte teilweise auch an Blockheizkraftwerken beteiligt und können so die Kraft-Wärme-Kupplung für eine umfassende Energieversorgung ausnutzen. Genossenschaftlich geführte Bürgerenergiedörfer sind darüber hinaus schon in Pilotprojekten eine Schritt weiter gegangen und setzen auf eine hundertprozentig autonome Versorgung ihrer Gemeinde mit Strom und Wärme.

 

 

Gute Ideen sind kaum zu stoppen

In ihren Anfängen wurden Bürgerenergiegesellschaften oftmals als welt- und wirtschaftsfremde Spinnerei milde belächelt. Das hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert, denn das Interesse an erneuerbaren Energien ist rasant angestiegen, gleichzeitig ist das Vertrauen in große Energiekonzerne gesunken. Die Energieprojekte haben sich so zu maßgeblichen Faktoren bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland entwickelt.

Aktuell sind 860 Energiegenossenschaften Mitglied im Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. Außerhalb dieses Verbandes firmieren Energieprojekte auch als Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), nicht-börsennotierte Aktiengesellschaften und GmbH & Co. KGs. Darüber hinaus gibt es auch Projekte die als Verein oder gemeinnützige Stiftungen geführt werden.

 

Insgesamt tragen so rund 160.000 Menschen aktiv dazu bei, erneuerbare Energien fest im Markt zu verankern. Experten gehen davon aus, dass Bürgerenergiegesellschaften mit rund 1,2 Milliarden Euro den Ausbau erneuerbarer Energien vorangebracht haben.

 

In Europa sind Bürgerenergiegesellschaften seit fünf Jahren im Netzwerk der Energiegenossenschaften organisiert. Neben Deutschland sind dabei besonders Projekte aus den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich vertreten. Außerhalb von Europa haben sich auch Energiegesellschaften in den USA und Kanada formiert.

 

 

Akteursvielfalt im Energiemarkt erhalten

Im kommenden Jahr tritt eine Novelle des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien in Kraft. Dort ist auch weiterhin als wichtiges Ziel die Vielfalt der Akteure im Energiemarkt festgeschrieben. So können sich beispielsweise lokal verankerte Bürgerenergiegesellschaften vereinfacht an Ausschreibung für Windenergieanlagen beteiligen. Der Ausbau von Windkraftanlagen an Land soll weiter stark gefördert werden.

 

Schwieriger könnte es durch neue Regelungen bei der Einspeisevergütung geben. Denn während hier bislang festgesetzte Preise garantiert wurden, sollen sich künftig Stromanbieter über ein Ausschreibeverfahren bei der Bundesnetzagentur bewerben, Damit sind die Erträge aus den Öko-Stromanlagen nicht mehr sicher kalkulierbar.

 

 

Klimafreundliche Energien fördern

Eine sichere und saubere Energieversorgung zu vernünftigen Preisen ist möglich und schützt das Klima. Also Augen auf bei der Wahl des Stromanbieters. Vielleicht gibt es ja bei Dir vor Ort ein Bürgerenergieprojekt, von dem Du Deinen Strom beziehen kannst. Ansonsten findest du im Internet viele Informationen zu unabhängigen Ökostromanbietern.

 

Im Allgemeinen gibst Du für Strom Geld aus. Du kannst aber auch mit Strom aus erneuerbaren Energien selbst Geld verdienen. Investitionen in Windparks, Solarenergieanlagen oder Wasserkraftwerke sind nachhaltig sinnvoll und lukrativ.

 

Bei Klimafonds findest Du eine umfassende Beratung zu klimafreundlichen Geldanlagen von denen Du und die Umwelt gleichermaßen profitieren.

 

 

 Gerd SW300x300 Gerd Junker, Klimafonds-Experte: Die Welt ist extrem komplex. Sinnvolle Geldanlagen können jedoch einfach sein. Bei Klimafonds finden wir die passende Lösung für Eure Bedürfnisse. Mehr Klimafonds findet Ihr auf Facebook, Google+ und  Twitter.