Fair Fashion statt Fast Fashion – Der nachhaltige Kleiderschrank

Zusammenfassung: Unsere Kleidung wird vielfach unter elenden Bedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern produziert. Beim Kauf eines Kleidungsstücks, macht der Arbeitslohn der dortigen Textilarbeiter weniger als ein Prozent unseres Ladenpreises aus. Gegen die ausbeuterische Praxis wenden sich immer mehr westliche Unternehmen und fordern faire Produktionsbedingungen. Fair hergestellte Kleidung trägt meist ein entsprechendes Siegel.

 

Niedrige Produktionskosten bedeuten auch niedrige Löhne.

Niedrige Produktionskosten bedeuten auch niedrige Löhne.

Unsere Kleidung ist im Allgemeinen sauber – aber nicht rein. Denn vielen Kleidungsstücken haftet ein unangenehmer Geruch an, von miesen Löhnen in Schwellen- und Entwicklungsländern, unwürdigen und gefährlichen Arbeitsbedingungen, Ausbeutung von Kindern.

 

Seit 2012 berichten die Medien regelmäßig von den verheerenden Großbrände in den Textilfabriken Bangladeschs. Hier starben in den vergangenen Jahren mehr als 100 Arbeiter und – in der Mehrheit – Arbeiterinnen im Feuer, viele weitere Menschen wurden schwer verletzt. Abgesehen von der katastrophalen Arbeitssicherheit trugen vielfach auch noch verschlossene Ausgänge zur Zahl der Todesopfer bei, denn es ist durchaus üblich, die Arbeiter und Arbeiterinnen wie Gefangene einzuschließen.

 

Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) geht davon aus, dass in den vergangenen zehn Jahren rund 500 Menschen ihr Leben in brennenden Textilfabriken lassen mussten. Die Bilder haben sich eingebrannt – Menschen die auf engstem Raum arbeiten und hier unsere Kleidung nähen – nicht nur die Billig-Klamotten aus Discountern und Modeketten, sondern auch hochpreisige Marken- und Designerware. Mit diesen Bildern im Kopf  erhält der Begriff „Fashion Victim“ eine ganz neue Bedeutung.

 

 

Der Preis sagt … nichts!

Dass faire und existenzsichernde Löhne in den Textilfabriken unsere Kleidung extrem verteuern würden, ist mittlerweile wiederlegt. Wenn ein einfaches T-Shirt im Geschäft für zehn Euro über den Ladentisch geht, entfällt der Löwenanteil des Verkaufspreis mit 5,90 Euro auf die Handelsspanne. Die Kosten für Logistik und Zwischenhandel betragen 1,64 Euro, je 1,20 Euro gehen als Bruttogewinn an die Marke, beziehungsweise fallen als Materialkosten an. Bleibt ein Rest von sechs Cent, den Lohnkosten für ein T-Shirt.

 

So teilt sich der Ladenpreis eines T-Shirts auf. Die Lohnkosten spielen keine Rolle (Quelle: Fairwear Foundation, Grafik: Grünes Geld, ohne Gewähr)

So teilt sich der Ladenpreis eines T-Shirts auf. Die Lohnkosten spielen keine Rolle (Quelle: Fairwear Foundation, Grafik: klimafonds.de, ohne Gewähr)

 

Konkret bedeutet das, dass faire Löhne für Textilarbeiter durchaus möglich sind, denn selbst bei einer Verdoppelung oder Verdreifachung der Löhne in Bangladesch würde sich diese Erhöhung nicht beim Kunden bemerkbar machen, die Herstellungskosten spielen bei den enormen Handelsmargen keine Rolle mehr. Dass dennoch nur buchstäbliche Hungerlöhne gezahlt werden, ist vielmehr dem ausbeuterischen wirtschaftlichen Denken geschuldet, denn für die Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort ist der Job in der Textilfabrik lebenswichtig und ihre Verhandlungsposition ist mehr als schwach.

 

 

Marktmacht nutzen – Verhaltenskodex für die Lieferanten

Manchmal ist genug einfach genug!

Manchmal ist genug einfach genug!

Mehr Einfluss auf diese Art des Wirtschaftens können die westlichen Textilanbieter nehmen, die mit ihren Großaufträgen durchaus eine entscheidende Handlungsposition inne haben und entsprechende Forderungen an ihre Zulieferer stellen können. Dass sie dies auch sollten, zeigt die Stimmung der Konsumenten. Rund 40 Prozent geben an, dass ihnen faire Produktionsbedingungen bei der Herstellung der Kleidung sehr wichtig sind, für 46 Prozent ist dieser Faktor noch wichtig. Kleidung ist demnach ein Thema, das uns nahegeht – geradezu hautnah.

 

Das Netzwerk „Kampagne für Saubere Kleidung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen aus dem Textilbereich stärker in die moralische Pflicht zu nehmen. Der Verband fordert verbindliche Richtlinien für den Umgang mit den Textilarbeitern einzuführen und zu überwachen, um so die Rechte der Arbeitnehmer vor Ort zu stärken, existenzsichernde Löhne und Einhaltung der Arbeitszeiten durchzusetzen sowie für Arbeitssicherheit in den Fabriken zu sorgen. Darüber hinaus sollen Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge ergriffen und Kinderarbeit unterbunden werden.

 

Einige Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und treten ebenfalls vehement für einen verbindlichen Kodex ein. Durch ihre millionenschweren Aufträge wollen sie ihre Lieferanten verpflichten, für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne in den Textilfabriken zu sorgen. Organisiert haben sich diese Unternehmen in der „Fairwear Foundation“. Mit von der Partie sind dabei unter anderem Outdoor-Spezialisten wie Mammut, Odlo und Jack Wolfskin, klassische Öko-Anbieter wie Waschbär und Hess Natur-Textilien sowie junge Fairtrade-Labels wie Armedangels oder Anna van Toor. Überraschend, aber absolut erfreulich: auch die eher im Niedrigpreissegment einzuordnende Textilkette Takko ist Fairwear-Mitglied. Insgesamt zählt die Vereinigung 90 Mitgliedsunternehmen aus sieben Ländern Europas.

 

 

Was kannst Du tun? – Tipps für einen fairen & nachhaltigen Kleiderschrank

 

1. Auch das Kleingedruckte lesen – faire Gütesiegel

Fair produzierte Kleidung zu finden ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht, denn wie bereits erwähnt, der Preis gibt keinerlei Auskunft über die Löhne in der Produktion. Wenn Du sicher gehen willst, dass Deine Kleidung nicht unter katastrophalen Bedingungen hergestellt wurde, achte auf folgende Siegel:

  • Das Siegel der „Fairwear Foundation“ garantiert gerechte Löhne für die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Textilfabriken und für einen menschenwürdigen Umgang am Arbeitsplatz.
  • Das „Fairtrade-Siegel“ ist auf Baumwollkleidung zu finden. Das Siegel steht ebenfalls für eine faire Bezahlung der Baumwollbauern sowie der Näherinnen und Näher.
  • Apropos Baumwolle: Fairtrade heißt nicht immer auch ökologisch nachhaltig. Gerade Baumwolle aus konventionellem Anbau ist stark mit Pestiziden belastet, auch werden in der Textilproduktion vielfach gesundheitsschädliche Chemikalien eingesetzt. Bei Baumwollkleidung solltest du daher auch unbedingt auf das „GOTS-Siegel“ sowie das „IVN-Siegel“ achten. Diese Siegel stehen nicht nur für ökologisch korrekte Baumwollprodukte, sie garantieren auch soziale Mindeststandards in den Textilfabriken.

 

 

2. Fair Fashion statt Fast Fashion

Viele Leute sind stolz auf ihren prall gefüllten Kleiderschrank. Nahezu die gleichen Leute sind es, die eigentlich nie etwas anzuziehen haben und immer auf der Suche nach Schnäppchen und neuen Klamotten sind. „Fast Fashion“, ein- bis zweimal anziehen und dann weg damit. Der einzige ökologische Vorteil dieser ansonsten zweifelhaften Methode ist, dass keine Waschmaschine benötigt wird. Aber dieser Einsparung geht ein enormer Ressourcenverbrauch vorweg, denn jedes Kleidungsstück hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck, hat enorme Wassermengen in der Herstellung verbraucht und ordentlich CO2 in die Atmosphäre emittiert. Hier hilft Stilbewusstsein. Wenn Du wirklich weißt was Du willst, wirst Du sicher nicht jedem Trend blind hinterherlaufen sondern eine Auswahl hochwertiger Kleidung mit einem Fairtrade-Siegel bevorzugen, am besten auch von einem ökologisch produzierenden Hersteller. Wer nicht auf Masse sondern auf Klasse setzt, gibt auch durchschnittlich nicht mehr für seine Kleidung aus.

 

 

3. Second Hand und Tauschparty – Zweiter Frühling für die Kleidung

Wer – allem besseren ökologischem Gewissen zum Trotz – gerne shoppen geht und nach Modeschnäppchen stöbert, ist in Second Hand-Läden und auf Tauschpartys und Kleiderflohmärkten gut aufgehoben. Denn wenn Kleidung weitergetragen wird, hat sie ein langes Produktleben und das steht dann auch in einem sinnvollen Verhältnis zum Ressourcenverbrauch und zum Produktionsaufwand. Darüber hinaus lässt sich hier auch hochwertige und ausgefallene Ware finden. Der Vintage-Look ist seit mehreren Jahren schon ein Dauerbrenner und signalisiert auch, das Kleidung eine Wertigkeit hat.

 

 

4. Handwerk hat goldenen Boden

Wer an Berufe mit ökologischem Hintergrund denkt, hat im allgemeinen Solaranlagenbauer, Energieberater oder Förster im Sinn. Änderungsschneider und Schumacher leisten aber auch einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz und zur Langlebigkeit der bereits produzierten Kleidung. Kunstflicken, Reisverschlüsse erneuern, Besohlen oder ein Kleidungsstück nach eigenen Vorstellungen verändern lassen – das alles ist kostengünstiger als eine Neuanschaffung und darüber hinaus ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. Kleidung, die sich nicht mehr zum Reparieren eignet, erlebt als Stofflieferant in Upcycling-Projekten vielleicht noch einen zweiten Frühling. – Aktuell werden viele Upcycling-Projekte in Städten und Gemeinden initiiert.

 

 

Fair für Mensch und Umwelt

Jede Art des Konsumierens stellt eine ökologische Belastung da, teilweise hat unser Konsum auch ausbeuterische Komponenten. Es lohnt sich also, Kleidung aufmerksam und sinnvoll einzukaufen. Das ist fair für die produzierenden Menschen und fair für Umwelt und Klima.

 

Nahezu in allen Lebensbereichen sind Alternativen möglich. So auch in der Geldanlage. Hier kannst Du ohne weiter nachzudenken gängigen Anlagetipps folgen. Du hast aber auch die Möglichkeit, die Macht Deines Geldes zu nutzen und in die Bereiche zu investieren, die Dir am Herzen liegen. Geldanlagen in klimaschützende Projekte oder in Mikrofinanzprojekte sind keine Spenden, sondern sinnvolle Geldanlagen mit attraktiver Rendite. Die Experten von Klimafonds beraten Dich – nachhaltig und fair. Beantworte einfach ein paar leichte Fragen und der Rest ergibt sich: Fragebogen aufrufen.