Garantiezins aktuell – Rutschgefahr!

Zusammenfassung: Ab 2017 wird der Garantiezins unter ein Prozent rutschen. Diese Veränderung wirkt sich auf Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen aus. Wer jetzt seine Altersvorsorge plant, sollte nichts überstürzen und sich gut beraten lassen.

 

 

Mit dem Garantiezins geht es 2017 rasant abwärts.

Mit dem Garantiezins geht es 2017 rasant abwärts.

Es ist amtlich: Der Garantiezins, offiziell als Höchstrechnungszins bezeichnet, rutscht ab dem 1. Januar 2017 weiter ab. Das hat das Bundesministerium für Finanzen entschieden.

 

Der Garantiezins legt den Zinssatz fest, den Versicherer bei der Berechnung der Deckungsrückstellung höchstens ansetzen dürfen. Bemessen wird die Höhe des Garantiezinses aus den Erträgen der Bundesanleihen, betragen darf er allerdings maximal 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite.

 

 

Wenig Garantie – noch weniger Zinsen

Die Talfahrt des Garantiezinses verläuft bereits seit den neunziger Jahren. Denn seit dem sinken auch die Renditen aus Bundesanleihen stetig. Während der Garantiezins 1994 noch bei vier Prozent lag, ging die Fahrt immer weiter abwärts. 2007 belief sich der Garantiezins nur noch auf 2,25 Prozent, derzeit liegt das Zinsniveau einen weiteren Prozentpunkt darunter auf 1,25 Prozent. 2017 rutscht der Garantiezins dann auf das historische Tief von 0,9 Prozent. Überraschend ist diese Entwicklung allerdings nicht wirklich, denn die Zinsen liegen in allen Bereichen niedrig.

 

Von der Garantiezinssenkung nicht betroffen sind bereits abgeschlossene Verträge zur Altersvorsorge. Hier müssen die Versicherungsgesellschaften die zugesicherten Garantiezinsen auch künftig erwirtschaften.

 

Wenn der Garantiezins 2017 gesenkt wird, hat das Auswirkungen auf vielfältige Leistungen der Altersvorsorge. Besonders betroffen sind dabei Verträge die mit langen Laufzeiten abgeschlossen wurden. Wer sich für eine klassische Rentenversicherung oder für einen Riester- oder Rürup-Vertrag entschieden hat, muss mit einer geringeren garantierten Rente rechnen. Auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen fällt die garantierte Rente durch den gesunkenen Rentenfaktor geringer aus. Hier gilt: Wer das einmal geplante Auszahlungsergebnis erreichen will, muss bei den Beiträgen tiefer in die Taschen greifen. Beispielsweise ist, um die geplante Leistung zu erhalten, bei Berufsunfähigkeitsversicherungen, Risikolebensversicherungen und Sterbegeldversicherungen mit höheren Beiträgen bis zu 15 Prozent zu rechnen.

 

 

Lebensversicherungen – jetzt nichts überstürzen

Jetzt nichts überstürzen! - Absolute Rutschgefahr!

Jetzt nichts überstürzen! – Absolute Rutschgefahr!

Sämtlichen Verschlechterungen zum Trotz, die Verzinsung der Rentenversicherung ist weiterhin nicht belanglos. Denn hier werden auch weiterhin die Vertragsabschluss zugesicherten Zinsen bis zum Ende der Laufzeit gesetzlich garantiert – und das ohne jegliches Risiko. Hinzu kommt, dass Lebens- und Rentenversicherer ihre Kunden durch die Überschussbeteiligung an wirtschaftlichen Erfolgen teilhaben lassen und am Ende der Laufzeit noch Schlussüberschussanteile ausgezahlt werden.

 

Eine klassische Lebensversicherung bringt aktuell durchschnittlich bis zu vier Prozent Gesamtverzinsung. Das ist noch immer relativ hoch, verglichen mit den durchschnittlichen Zinsen von Festgeldanlagen (1,4 Prozent), bei Tagesgeldanlagen (0,6 Prozent) oder dem guten alten Sparbuch (0,14 Prozent). Dennoch mahnen auch Verbraucherschützer zur Ruhe, denn die aktuelle Verzinsung liegt im Vergleich zu anderen Produkten noch hoch, absolut gesehen ist sie jedoch gering.

 

Ein überstürzter Abschluss einer Lebensversicherung – um noch schnell vom alten Garantiezins zu profitieren – lohnt kaum. Schließlich wird nur der Sparanteil der Versicherung verzinst und nicht die gesamte Versicherungsprämie. Außerdem haben auch viele Versicherer auf die veränderte Situation im Markt reagiert und bieten keine Garantien mehr an oder sagen diese nur auf die eingezahlten Beträge zu. Einige Gesellschaften verzichten auch komplett auch eine verbindliche Verzinsung. Damit trägt der Versicherungsnehmer die Marktrisiken ebenfalls mit.

 

 

Altersvorsorge – Schwierig aber machbar

Auch wenn die Zinsen niedrig und der Markt schwer zu überblicken ist, eine finanzielle Altersvorsorge ist ein Muss für nahezu jeden. Denn die Renten sind schon lange nicht mehr sicher und ohne eine zusätzliche Altersvorsorge ist ein geruhsamer Lebensabend kaum möglich.

 

Vielfach wünschen sich ältere Menschen wieder jung zu sein. Wer bereits das Renten- oder Pensionsalter bereits geschafft hat und heute gut versorgt ist, blickt in diesem Punkt wohl kaum mit Sehnsucht zurück. Denn eine solide Altersvorsorge war selten so schwer und neben den Lebensversicherungen sind auch Vertragsabschlüsse in den Bereichen Betriebs-, Riester- und Rürup-Renten vom sinkenden Garantiezins betroffen.

 

Anfang des Jahrtausends aufwändig beworben, jetzt nur noch unter ferner liefen: die staatlich geförderte Riester-Rente. Hier müssen die Versicherer gewährleisten, dass ihre Kunden mindestens ihre Einzahlungen zurück erhalten. Praktisch bedeutet das, dass die Versicherungen bei einem sinkenden Garantiezins einen größeren Teil der Einzahlungen entnehmen und verzinsen müssen, um mindestens die eingezahlten Beiträge bei Renteneintritt garantieren zu können. Bei vielen Riester-Verträgen werden mehr als 70 Prozent der Beiträge für die Garantieleistung aufgewendet. Eine attraktive Rendite ist hier kaum zu erwarten.

 

 

„Was tun?“, spricht Zeus

Wenn die einfachen Lösungen nicht mehr greifen, ist es an der Zeit, Alternativen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wichtige Voraussetzung ist dabei, den voraussichtlichen Bedarf im Alter so genau wie möglich zu ermitteln. Niemand denkt in jungen Jahren gerne an mögliche Erkrankungen oder Pflege, aber Fakt ist, unsere Lebenserwartung steigt und damit auch das Risiko, nicht in jeder Phase des Lebens selbstständig und gesund zu sein.

 

Wichtig in der Planung ist es auch mit einzubeziehen, ob und mit wieviel staatlicher Rente zu rechnen ist. Daher hat sich zur Orientierung für Arbeitnehmer bewährt zusätzlich zur gesetzlichen Rente zehn Prozent des Netto-Einkommens zurückzulegen. Selbstständige sollten ihre Altersrücklagen an mindestens zwanzig Prozent ihrer Einkünfte ausrichten.

 

Wer private Altersvorsorge betreibt, wünscht sich eine langfristige, sichere und ertragreiche Lösung. Neben einer attraktiven Rendite sind aber auch heute weitere Faktoren bei der Auswahl relevant. Denn wer für das Alter vorsorgt hat die Zukunft im Blick und so sind nachhaltige und ökologisch sinnvolle Geldanlagen in jedem Fall eine interessante Anlagemöglichkeiten.

 

 

Altersweitsicht mit Fondspolicen

Wer sorgfältig seine Altersvorsorge plant, sollte seine Aufmerksamkeit auch auf Finanzprodukte außerhalb des klassischen Kanons von Lebensversicherungen sowie Riester– und Rürup-Produkte lenken.

 

Eine solide Altersvorsorge baut auf Eigeninitiative. Hier lohnt sich der Blick über den Tellerrand, denn Investition in Aktienfonds ermöglichen attraktive Erträge. Wer hier allerdings nur an kurzfristige Börsenzockerei und schnellen Reichtum denkt, ist auf dem falschen Weg. Wer aber eine langfristige Strategie verfolgt und in verschiedene Fonds kann langfristig Erträge zwischen sechs und acht Prozent erzielen. Wichtig ist es hier, die empfohlene Anspardauer im Auge zu behalten, diese beträgt meist sieben Jahre. Durch die Anlage in verschiedene Fonds können Schwankungen ausgeglichen werden. Darüber hinaus positiv. Durch die Investition in bestimmte Fonds werden die Themen vorangetrieben, die Dir besonders am Herzen liegen, beispielsweise der Ausbau erneuerbarer Energien.

 

Erträge aus Fonds unterliegen einer hohen Besteuerung unterliegen. Daher Fondspolicen für die Altersvorsorge interessant, denn sie werden erst am Ende der Laufzeit besteuert. Hier können Anleger bares Geld sparen, denn wer sich mit Beginn der Rente sein gesamtes Kapital auszahlen lässt, zahlt durch das sogenannte Halbeinkünfteverfahren bedeutend weniger. Außerdem bleibt das Vermögen bei einer kompletten Auszahlung im Todesfall auch für die Erben erhalten. Ein weiteres Bonbon: Bei einer Aufteilung der Vorsorgebeiträge in 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Rentenpapieren, bleibt das Kapital auch bei einer jährlichen Entnahme von vier Prozent im Jahr komplett erhalten. Gut, wer diese Feinheiten kennt und auf kompetente Finanzberatung bauen kann.