Hinkley Point – In Großbritannien ticken die Atomuhren weiter

Zusammenfassung: Großbritannien hat den Bau des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point C beschlossen. Kritiker sehen hier nicht nur einen Schritt in die falsche Richtung der Energieversorgung, sondern prophezeien auch eine finanzielle Katastrophe. Sinnvoller wäre der gezielte Ausbau erneuerbarer Energien.

 

 

Großbritannien geht auch in Sachen Atomenergie seine eigenen Wege.

Großbritannien geht auch in Sachen Atomenergie seine eigenen Wege.

Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima ist in der vergangenen Woche erstmals wieder ein Atomkraftwerk in Europa genehmigt worden: Hinkley Point C soll im Südwesten Englands errichtet werden und ist damit auch das erste neue britische Atomkraftwerk seit zwanzig Jahren.

 

Ein schwarzer Tag für die britische „Stop New Nuclear Alliance“, die gegen den geplanten Bau von Hinkley Point C bereits seit 2011 auf die Barrikaden geht. Denn während in Deutschland unter dem Eindruck von Fukushima ein deutlicher Wechsel der Atom- und Energiepolitik vollzogen und der stufenweiser Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschlossen wurde, steuert Großbritannien jetzt wieder mit voller Kraft zurück in die atomare Steinzeit.

 

Hinkley Point C soll neben zwei bereits bestehende Anlagen gebaut werden und mit zwei europäischen Druckwasserreaktoren ausgestattet werden. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2025 vorgesehen. Die britische Regierung unter Premierministerin Theresa May geht davon aus, mit Hinkley Point sieben Prozent der gesamten Stromversorgung des Landes abdecken zu können. Damit sei, so die Regierung, Hinkley Point zukünftig ein zentraler Punkt der Energieversorgung der Insel, denn um die CO2-Emission bis 2020 weiter zu reduzieren müssen ältere Kern- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

 

 

Wer soll das bezahlen?

Der Neubau des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point C war dabei in Großbritannien nicht nur bei Atomkraftgegnern stark umstritten. Knackpunkt waren auch die enormen Kosten der Anlage. Diese belaufen sich Schätzungen zu Folge auf rund 21,5 Milliarden Euro.

 

Gestemmt wird das Projekt von zwei ausländischen Investoren. Mit einem Anteil von zwei Dritteln engagiert sich der französische Energiekonzern Électricité de France SA (EDF) als Bauherr und Investor. Die börsennotierte EDF zählt zu den führenden Energieerzeugern weltweit und gehört zu 85 Prozent dem französischen Staat. Interessant dabei, dass sich auch in den Reihen der EDF vehemente Kritik am Hinkley Point-Projekt regt. So trat bereits im März dieses Jahres der Finanzchef der EDF zurück, da er davon ausgeht, dass Hinkley Point das Unternehmen finanziell ruinieren werde. Ihm folgte jetzt auch der EDF-Verwaltungsrat mit der gleichen Begründung.

 

Als zweiter Investor ist der chinesische Staatskonzern China Nuclear Power Corporation (CGN) mit einem Drittel am Bau von Hinkley Point beteiligt. EDF und CGN wollen auch zukünftig Projekte in Großbritannien realisieren. Konkret plant die CGN die Zusammenspannung des bestehenden Reaktorblocks Sizewell mit dem geplanten Block Bradwell.

 

Aufgrund der Größe von Hinkley Point hat Großbritannien nun auch Maßgaben für ausländische Investoren gesetzlich verankert: Ohne staatliche Genehmigung dürfen keinerlei Mehrheitsanteile von großen Infrastrukturprojekten veräußert werden.

 

 

Enorme Kosten für überholte Energieversorgung

Atomenergie ist nicht alternativlos.

Atomenergie ist nicht alternativlos.

Der Neubau von Hinkley Point hat das Potenzial, zum Präzedenzfall gegen die Atomenergie zu werden. Denn die Ablehnung kommt eben nicht nur aus den Reihen der ausgewiesenen Atomgegnern wie Greenpeace. Diese fordern klar den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und kritisieren die überkommene Atomenergie als unökologisch und auch unökonomisch. In Großbritannien hatten sich im Vorfeld der Entscheidung auch konservative Medien gegen Hinkley Point ausgesprochen. Im Mittelpunkt standen dabei die Kosten des Projekts und die enormen Subventionen, denn Großbritannien garantiert der EDF einen Strompreis von 92,5 Pfund pro Megawattstunde. Und das über 35 Jahre hinweg. Der Absatzpreis ist damit etwa doppelt so hoch wie der aktuelle Preis im Energiemarkt. Die langfristige Preisgarantie ist dabei auch vor dem Hintergrund fragwürdig, dass Energie durch den Ausbau erneuerbarer Energien sehr viel günstiger erzeugt werden kann und durch Maßnahmen zur Energieeffizienz auch die geplanten Strommengen nicht mehr gebraucht werden

 

Hans-Josef Fell, Energieexperte und Wegbereiter des Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland (EEG), sieht in Hinkley Point einen gewaltigen Rückschritt in der europäischen Energiepolitik. Auch er argumentiert mit den fallenden Preisen für Strom aus regenerativen Energiequellen wie Windkraft- und Solaranlagen. Mit Hinkley Point, so Fell, steuert Großbritannien in ein „finanzielles Desaster“.

 

 

Zukünftig strahlungsfrei im Sonnenstaat Kalifornien

Dass wirtschaftliches Denken auch den Abschied von der Atomenergie bedeuten kann, zeigt das Beispiel des Atomkraftwerk Diablo Canyon in den USA. Die kalifornische Anlage befindet sich seit vielen Jahren in Betrieb und ist längst abgeschrieben, dennoch ist der Preis für den dort erzeugten Strom nicht mehr wettbewerbsfähig mit den Preisen der dortigen Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig besteht für die Strommenge in diesem Umfang kein Bedarf mehr. Daher will der Betreiber die Anlage jetzt abschalten, zudem hat Kalifornien seine Umweltvorgaben verschärft. Der Sonnenstaat setzt auf flexible Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

 

 

Großbritannien rüstet auf

Dass Großbritannien sich in keiner Weise von der Atomkraft abwenden will, zeigt auch die Entscheidung aus dem Sommer dieses Jahres. Im Juli hat die britische Regierung die Modernisierung von vier Atom-U-Booten beschlossen. Damit baut Großbritannien unter seiner neuen Premierministerin verstärkt auf eine nukleare Rüstungspolitik und räumte ein, dass die Atomwaffen nicht nur der Abschreckung sondern im Ernstfall auch durchaus der Verteidigung des Landes dienen sollen. Die britische Bevölkerung steht zu 66 Prozent hinter der Entscheidung. In seiner Position als Befürworter einer nuklearen Abrüstung hat der Vorsitzende der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, keine Mehrheit in seiner eigenen Partei.

 

 

Positiv handeln für die Zukunft

In Anbetracht von Nachrichten wie Hinkley Point ist es wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern positiv für die Zukunft zu handeln. Der Ausbau von erneuerbaren Energien ist dabei von enormer Bedeutung, denn eine Energieversorgung ohne Atom und fossile Energieträger ist nicht nur sauber und sicher, sondern schützt auch das Klima nachhaltig. Und nicht zu vergessen, Kriege werden wegen fossiler Rohstoffe geführt, während die Nutzung von Wasserkraft, Solar- und Windenergie an vielen Orten und kostengünstig möglich ist.

 

Wenn Du Dich für Projekte zur Förderung von erneuerbaren Energien interessierst und Dein Geld für eine friedliche, ökologisch sinnvolle und nachhaltige Sache einsetzen willst, informieren wir Dich gerne.

 

 

In Kontakt treten mit klimasfonds.de