Moderne Forschung statt Tierversuche

Zusammenfassung: Anlässlich des Welttierschutztages Anfang Oktober hat die Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ Alarm geschlagen, denn in der Medizin ist die Zahl der Tierversuche dramatisch angestiegen. Dabei kritisieren die Ärzte nicht nur das Leid der Tiere, sondern weisen auch auf die Gefahren für den Menschen hin. Viele an Tieren getestete Medikamente haben sich in der Praxis für den Patienten als unwirksam, teilweise auch als lebensgefährlich herausgestellt.

 

 

Eigentlich offensichtlich: Der Mensch ist keine Maus!

Eigentlich offensichtlich: Der Mensch ist keine Maus!

Tierversuche sind grausam. Nach aufrüttelnden Reportagen aus Tierversuchslaboratorien in den achtziger und neunziger Jahren, kam Bewegung ins Thema. Es zeichnete sich eine breite Ablehnung innerhalb der Bevölkerung gegen Tierversuche in der Kosmetikindustrie ab und tatsächlich sind entsprechende Tests an Tieren seit 2004 innerhalb der EU verboten. Auch dürfen keine Kosmetik- und Pflegeprodukte von außereuropäischen Anbietern mehr verkauft werden, bei denen Tierversuche durchgeführt wurden. Das klingt erst einmal alles sehr gut, aber das Thema Tierversuche ist damit noch lange nicht beendet, denn die Zahl der Tierversuche in Deutschland steigt an.

 

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e. V. hat zum Welttierschutztag Anfang Oktober alarmierende Zahlen vorgelegt. Im vergangenen Jahr haben demnach Tierversuche in Deutschland dramatisch zugenommen. Die Zahlen kommen aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Bislang liegen allerdings erst die Ergebnisse aus fünf Bundesländern vor. Daraus ergab sich ein Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Negativ-Rangliste unter den ausgewerteten Ländern nimmt Niedersachsen mit einem Anstieg um 42 Prozent an Tierversuchen einen Spitzenplatz ein, gefolgt von Bayern mit einem Anstieg um 15 Prozent. Die Zahlen für das gesamte Bundesgebiet werden Ende des Jahres erwartet, die Tendenz geht jedoch klar nach oben, denn die im Bereich Tierversuche besonders aktiven Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen sind noch nicht in der Statistik enthalten.

 

 

Zum Wohle der Menschheit?

Jährlich sterben rund drei Millionen Tiere, in erster Linie Mäuse, Ratten und Kaninchen, aber auch Hunde, Katzen und Fische, in medizinischen Versuchslaboren. Und obgleich eine breite Bevölkerungsgruppe Tierversuche ablehnt, rücken hier viele von ihrer eigenen Überzeugung ab, denn Tierversuche in der medizinischen Forschung werden gemeinhin als alternativlos angesehen.

 

 

Genmanipulation steigt an

Der enorme Anstieg an getöteten Labortieren liegt jedoch nicht allein an einer generell expandierenden Forschung im Wissenschaftsland Deutschland. Vielmehr steigt seit Jahren der Anteil der genmanipulierten Tiere, besonders von Mäusen, rasant an. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der transgenen Tiere von 157.000 auf fast eine Million hoch geschnellt. Seit 2014 werden allerdings die genmanipulierten Versuchstiere im Report des BMEL nicht mehr gesondert ausgewiesen.

 

 

Kritik aus den eigenen Reihen

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e. V. ist eine interessante und kompetente Kritikerin an Tierversuchen im medizinischen Bereich, denn hier kommt die Gegenmeinung aus den eigenen Reihen. Rund 2.000 Mediziner, Veterinäre, Psychologen und Wissenschaftler fordern seit 1979 eine Abschaffung sämtlicher Tierversuche. Ziel ist es, tierversuchsfreie, moderne und wissenschaftlich fundierte Testmethoden weiterzuentwickeln. Zum anderen steht die Vereinigung für einen generellen Paradigmenwechsel innerhalb der medizinischen Forschung. Statt andauernd Symptome zu erforschen und zu behandeln, engagieren sich Ärzte gegen Tierversuche vermehrt für die Ursachenforschung und Prävention von Krankheiten. Darüber hinaus kritisieren sie die anything-goes-Mentalität in weiten Teilen der Forschung, die ihre technologischen Möglichkeiten auf Kosten der Tiere voll ausschöpft.

 

 

Wissenschaft anstelle von Tierversuchen

Trugschluss: Tierversuche machen Medikamente für Menschen nicht unbedingt sicher.

Trugschluss: Tierversuche machen Medikamente für Menschen nicht unbedingt sicher.

Die wichtigsten Kritikpunkte von Seiten der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche sind die mangelnde Ethik, die Unwissenschaftlichkeit der Methode.

 

In Versuchslaboren sind Tiere ein bloßes Objekt der Wissenschaft. Versuchstieren werden Qualen und Schmerzen zugefügt. Dabei wird ihre Würde als Lebewesen ausgeblendet, paradoxerweise werden sie jedoch dann wieder als Lebewesen gesehen, wenn es darum geht, ihre Reaktionen auf Testungen auf den Menschen zu übertragen. Denn schließlich sollen Tierversuche Reaktionsweisen des Organismus erforschen und die Unbedenklichkeit für den menschlichen Patienten belegen.

 

Diese Methodik kritisiert die Vereinigung als unwissenschaftlich, denn die Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich wissenschaftlich nicht seriös auf den Menschen übertragen. Eine zuverlässige Voraussage kann nicht Eins-zu-eins umgesetzt werden.

 

Um wissenschaftliche Methoden ohne Tierversuche voranzubringen, organisiert die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche wissenschaftliche Kongresse zum Thema. Dass es sich hierbei nicht um die vereinzelte Kritik von verträumten Tierschützern geht, sondern um einen Ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Diskurs, zeigt auch, dass die zuständige  Ärztekammer die jüngste Veranstaltung „WIST – Wissenschaft statt Tierversuche“ mit acht Fortbildungspunkten für Humanmediziner anerkannt hat.

 

„Der Mensch ist keine 70-Kilogramm Ratte“, betitelte der Toxikologe Professor Thomas Hartung, auf dem WIST-Kongress seinen Vortrag und bringt damit die Problematik von Tierversuchen auf den Punkt: die mangelnde Vergleichbarkeit. Denn laut internationaler Studien reagieren Menschen und Tiere oft vollkommen unterschiedlich auf die verabreichten Medikamente. Produkte, die bei Tierversuchen gut abgeschnitten hatten versagen bei der klinischen Prüfung bis zu 95 Prozent, fast die Hälfte der zugelassenen Medikamente werden später wieder vom Markt genommen, weil unerwartete Nebenwirkungen beim Menschen auftraten.

 

 

Moderne Technologien nutzen

Tierversuche in Frage zu stellen bedeutet für die Ärzte gegen Tierversuche nicht, sich gegen die Forschung zu stellen. Im Gegenteil. Die Vereinigung kritisiert Tierversuche als überholte Methodik des vorletzten Jahrhunderts und engagiert sich stark für den Einsatz moderner Technologien bei der Erforschung von Erkrankungen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Entsprechend setzen sich Ärzte gegen Tierversuche für die konsequente Weiterentwicklung von Multi-Organ-Chips als innovative Forschungsmethode ein. An diesen Chips wird seit 2010 intensiv geforscht, Experten gehen davon aus, dass durch den Einsatz der Multi-Organ-Chips nahezu 80 Prozent der Tierversuche im medizinischen Bereich unnötig sein werden.

 

Der Multi-Organ-Chip simuliert den menschlichen Organismus auf kleinstem Raum, ein sogenanntes mikrophysiologisches System. Innerhalb dieses Systems kann die Wirkweise und Wirksamkeit von Medikamenten beobachtet und entwickelt werden. Vorteil für den Patienten – Basis der Forschung ist eine Simulation des menschlichen Körpers, denn auf dem Chip wird das komplexe Zusammenspiel von Kreislauf, Organtätigkeiten und weiteren abgebildet, ausgewertet und wiederholt getestet werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass so glaubhaftere Vorhersagen zur Wirkung von Medikamenten gegeben werden können als es mit entsprechenden Tierversuchen möglich wäre.

 

 

Blick nach vorne

Moderne und innovative Technologien vollbringen unglaubliche Leistungen. Multi-Organ-Chips können Tierversuche ablösen, vermeiden damit Tierleid und liefern solide Forschungsergebnisse.

 

Eine ähnliche Glanzleistung haben die Erneuerbaren Energien bereits vollzogen. Sie lösen die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle ab und sorgen so für aktiven Klimaschutz mit sauberer und sicherer Energieversorgung.

 

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