Vegan – Ein Trend als Klimaschützer

Zusammenfassung: Fleischesser, Flexitarier, Vegetarier, Veganer – Was wir essen ist nicht mehr alleine eine Frage von Geschmack und Lebensstil. Vielmehr ist bewusste und gesunde Ernährung ein wichtiger Beitrag, um die globale Klimakrise zu stoppen.
Vegan - Ein Trend als Klimaschützer
Written by: Carmen Junker
Date Published: 07/04/2016

 

 

Veganes Leben hat viele Vorteile

Kleiner Test zum Ankreuzen: „Du stehst in der Bahnhofsbuchhandlung und suchst noch etwas zum Lesen für Unterwegs. Was nimmst Du? A) „Fleisch ist mein Gemüse“ von Heinz Strunk. B) Attila Hildmanns Buch „Vegan for Starters“. C) Weiß nicht! – Gleichgültig wie Du Dich entscheidest, Du bekommst jetzt fünf Punkte für das klimafreundliche Verkehrsmittel Bahn.

 

Vegan – gar nicht so einfach?

Du hast Dich spontan für Antwort B) entschieden? – Dann liegst Du voll im Trend. Das bestätigt das Online-Marktfoschungsportal YouGov in seiner Studie „Wer will‘s schon vegan?“. Demnach ernährten sich im Jahr 2014 bereits zwölf Prozent der Deutschen vegetarisch oder vegan, Tendenz steigend, besonders im Bereich der veganen Ernährung. Die wichtigsten Gründe für ein veganes Leben sind dabei ethische und gesundheitliche Aspekte. Vermehrt werden aber auch die Auswirkungen einer fleischbetonten Ernährung auf die Umwelt, besonders auf die Klimaveränderungen, genannt.

Veganes Leben ist jedoch gar nicht so einfach in der alltäglichen Umsetzung. Das belegen auch die Aussagen von überzeugten Veganern. Demnach halten sich nur 60 Prozent von ihnen konsequent an den selbst gewählten Ernährungsstil.

 

Gemüse feiert sein Comeback

Veganes Leben bedeutet nicht einfach Verzicht. Vielmehr ist es auch eine Einladung, pflanzliche Lebensmittel neu zu entdecken. Das zeigen auch die vielfältigen Vegan-Blogs und ihre steigende Leserschaft. Zu einer starken kulinarischen Aufwertung von Gemüse und Co.haben dabei auch sicher die bereits Eingangs erwähnten Kochbücher von Attila Hildmann beigetragen, der das Thema medienwirksam mit zum Erfolg geführt hat.

 

Vielfalt statt Verzicht

Aber wo kauft man die Zutaten für eine Seitan-Hack-Pfanne mit Topinambur? In mehreren deutschen Großstädten hat sich die Supermarktkette „Veganz“ etabliert, die mit mehr als 6.000 veganen Produkte nicht nur überzeugte Veganer anspricht. Nun hat nicht jeder einen Vegan-Markt oder Bioladen direkt vor der Haustür. Jedoch erkennen zunehmend auch Supermärkte und Discounter die Zeichen der Zeit: Neben den Kühlregalen für Fleisch, Käse und Milch werden vermehrt vegane Lebensmittel angeboten.

Die positive Präsentation veganer Speisen und Produkte führt dabei zu einer erhöhten Akzeptanz dieses Lebensstils in weiten Teilen der Gesellschaft. So entscheiden sich auch Menschen, die sich konventionell ernähren häufiger für fleischlose Alternativen. Es ist davon auszugehen, dass selbst bei einem konstanten Anteil an Veganern der Anteil an Teilzeit-Veganern, Teilzeit-Vegetariern und sogenannten Flexitariern, die mehrmals in der Woche bewusst auf Fleisch verzichten, weiter ansteigen wird.

 

Mehr Versuchung als Verzicht!

Mehr Versuchung als Verzicht!

Vegane Lebensweise als Klimaschützer

Als ethische Begründung für einen veganen Lebensstil wird häufig das Leid von Tieren in der Massentierhaltung genannt. Vielen sind dazu Bilder von zusammengepferchten Schweinen und Rindern präsent. Wie eng die Massentierhaltung jedoch direkt mit dem Klimawandel zusammenhängt, zeigten vor zwei Jahren rund 90 Milchkühe aus dem Landkreis Fulda: Sie riefen die örtliche Feuerwehr auf den Plan. Das Rülpsen und Furzen der Kühe setzte eine große Menge des klimaschädlichen Methan frei. Das Gas entzündete sich, so dass es mit einer Stichflamme verpuffte und das Stalldach beschädigte. Methan ist ein hochgiftiges Gas, dass einen mehr als zwanzigmal stärkeren Einfluss auf den Klimawandel hat als Kohlendioxid (CO2). Eine durchschnittliche Zuchtkuh stößt täglich bis zu 200 Liter Methan aus. Bei schätzungsweise 1,5 Milliarden Kühen weltweit ist der Beitrag der Rindfleisch- und Milchproduktion am Klimawandel enorm.

Unbestrittener Fakt ist: Wer Gemüse isst, produziert weniger Treibhausgase als Fleischesser. Natürlich verursachen Anbau, Transport, Lagerung, Kühlung und Verkauf von Nahrungsmitteln generell die Emissionen von Treibhausgasen. Dennoch stehen diesen direkten Emissionen sogenannte indirekte Emissionen gegenüber. Diese entstehen etwa durch die veränderte Nutzung von Land. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Umwandlung von tropischen Regenwäldern in Weideland für die Fleischproduktion. Die Umweltorganisation WWF geht in ihrer Studie „Klimawandel auf dem Teller“ davon aus, dass nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen die mit unserer Ernährung zusammen hängen, auf tierische Produkte zurückzuführen sind. Eine vegane Ernährung entspricht damit rund 230 Milliarden eingesparter PKW-Kilometer.

Auch das Bundesministerium für Umwelt empfiehlt im Rahmen seiner Kampagne „#ziek – Zusammen ist es Klimaschutz“ eine Ernährung mit möglichst wenig tierischen Lebensmitteln. So lassen sich bis zu 600 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen.

 

An die Zukunft denken und in die Zukunft investieren

An die Zukunft denken und bewusst leben. – Dabei stehen wir immer wieder vor wichtigen Entscheidungen. Denn die individuelle Finanzplanung hat auch einen bedeutenden Einfluss auf den Klimaschutz. Ein gutes Rezept: Ökologische Investments. Sie verringern den Ausstoß des Klimakillers CO2 beträchtlich. Statt in begrenzte fossile Energien – wie Kohle, Gas und Erdöl – investierst Du Dein Geld in die erneuerbaren Energieträger wie Wind, Sonne und Wasser.

 

Zurück im Bahnhofskiosk

Du hast dich für Antwort B) „Fleisch ist mein Gemüse“ entschieden? Gute Wahl, denn bei der Lektüre über Heinz Strunks traurige Jugend in den achtziger Jahren in der norddeutschen Provinz und den Träumen von einer Musikerkarriere vergeht die Reise wie im Flug. Und für den veganen Snack, den du dabei hast, bekommst Du nochmals fünf Punkte.