Wie lege ich 30.000 Euro trotz niedriger Zinsen an?

 

Es ist noch nicht lange her, da sitze ich mit Freunden zusammen und wir unterhalten uns angeregt. Irgendwie kommt das Gespräch zum Thema Geld anlegen, und einer meiner Freunde sagt: “Wie lege ich denn 30.000 Euro im Moment richtig an. Die Bank bietet ja keine Zinsen mehr.”iStock_000007534034XSmall Und fast alle am Tisch nicken bedächtig, denn vielen geht es genau so. Die Vorgehensweise, die sie seit Jahren und Jahrzehnten gewählt haben, funktioniert nicht mehr. Man kann nicht mehr einfach zur Bank gehen, dort einen Sparbrief oder einen Bausparvertrag abschließen und einen einigermaßen vernünftigen Zinssatz bekommen. Die Zinsen werden von der Europäischen Zentralbank bewusst extrem niedrig gehalten, und in der Folge erhält der deutsche Sparer weniger Zinsen als die Preissteigerung ausmacht. Die Folge: Das Geld auf der Bank wird nach Abzug der Preissteigerungsrate jedes Jahr weniger.

 

Doch wie lege ich 30.000 Euro in der heutigen Zeit richtig an? Wie kann ich sicher sein, dass mein Geld nicht weniger wird? Welche Möglichkeiten habe ich um flexibel zu bleiben? Wie kann ich ausschließen, dass mit meinem Geld Rüstungsgüter produziert werden? Kann mein Geld auch etwas Sinnvolles tun?

 

Dabei muss zunächst gesagt werden, dass Geldanlage eine Kunst ist, keine exakte Wissenschaft. Jede Geldanlage ist individuell und sie muss zum Anleger passen. Dinge, mit denen sich der eine wohl fühlt, sind für den anderen möglicherweise ein Graus. Strategien, die zum Beispiel in den 1990er Jahren funktionierten, können heute womöglich grundfalsch sein. Und die Steuer wird so manches mal vergessen, nicht zuletzt, weil sie für den Anleger kaum zu verstehen und noch schwieriger zu berechnen ist. Oder wissen Sie, wann Abgeltungssteuer, wann Halbeinkünfteverfahren oder wann das Ertragsanteilsverfahren angewendet werden? Alle 3 Steuerarten können übrigens bei einer privaten Rentenversicherungen angewendet werden, je nachdem, wie lange ein solcher Vertrag gehalten wird beziehungsweise, je nachdem auf welche Art die Entnahme des Geldes erfolgt. Aber das nur am Rande.

 

Sie sehen, es sind auch externe Faktoren für den Erfolg einer Geldanlage entscheidend. Und zwar nicht nur die Kapitalmärkte – die sind ja möglicherweise noch vorhersehbar – sondern auch der Staat, der über Änderungen in der Besteuerung von Gewinnen oder über Streichung / Einführung von Subventionen gewaltigen Einfluss auf den Anlageerfolg hat.

 

Ich habe hier nun die 5 sinnvollsten Möglichkeiten zusammen gestellt:

 

1.) Die sicherheitsbewusste Strategie: möglichst keine Aufregungen

2.) Die goldene Mitte: Symbiose aus Sicherheit und Rendite

3.) Die höchste Rendite: für langfristig denkende Menschen

4.) Totgeglaubte leben länger: Auch Versicherungen haben etwas zu bieten

5.) Bloß keine Kapitalmärkte: Strategien ohne Aktien und Anleihen

 

 

 

 

1.) Die sicherheitsbewusste Strategie: möglichst keine Aufregungen

 

Besonders den Deutschen ist Sicherheit sehr wichtig. Wer extrem sicherheitsorientiert anlegen möchte und trotzdem höhere Renditen will als auf der Bank, kann festverzinsliche Wertpapiere von (nachhaltig gelisteten) Staaten oder Unternehmen als Basis seiner Geldanlage wählen. Nachhaltige Staaten sind in der Regeln die Bundesrepublik, Österreich, Schweiz, Benelux-Staaten und die skandinavischen Ländern. Nachhaltige Unternehmen sind zum Beispiel Windkraftanlagenbauer wie Vestas, Solaranbieter wie SMA oder besonders ökologisch arbeitende Konzerne wie Henkel.

 

Solche festverzinslichen Wertpapiere haben in der Regel einen Ausgabekurs, also zum Beispiel 1.000 Euro, und einen festen Zinssatz, zum Beispiel 1,0%. Sie haben außerdem eine fest Laufzeit, zum Beispiel 10 Jahre. In dem beispielhaften Fall würden auf die 1.000 Euro Anlagesumme jährlich 10 Euro Zinsen ausgezahlt werden. Nach Ablauf der 10 Jahre würde man die 1.000 Euro wieder zurück erhalten.

 

Auch ein zwischenzeitlicher Verkauf ist in aller Regel möglich – jedoch nicht zu den anfänglichen 1.000 Euro, sondern zum tagesaktuellen Kurswert. Der Kurswert könnte bei einem gewünschten Verkauf, zum Beispiel nach 5 Jahren, auch bei 920 Euro stehen – es wäre ein Verlust von 8% beim Kurs entstanden.

 

Wegen dieser Kursschwankungen und auch wegen dem Risiko, dass der Emittent des festverzinslichen Wertpapiers seine Schulden nicht mehr begleichen könnte (z.B. Griechenland), sollte man also breit gestreut in verschiedene festverzinsliche Wertpapiere investieren. Damit wird es aber langsam schon aufwendig, denn man muss sich ja jedesmal Gedanken machen, welches festverzinsliche Wertpapier gekauft werden soll (Kursrisiko, Ausfallrisiko).

 

Viele wählen deshalb den Weg, in einen Rentenfonds zu investieren. Dort gibt es einen Fondsmanager, der die Auswahl und das Timing zum Kauf / Verkauf übernimmt. Damit braucht man sich nicht um das Tagesgeschäft zu kümmern und ist gleichzeitig in vielleicht 50 verschiedenen Wertpapiere investiert. Der Fondsmanager verlangt dafür allerdings eine Gebühr.

 

Jetzt weiß man aus historischen Untersuchungen, dass eine Beimischung eines kleinen Anteils von Aktien die durchschnittliche Schwankungsbreite eines Depots nochmals abnimmt. Es ist historisch gesehen nämlich so, dass in eher schlechten Jahren für festverzinsliche Wertpapiere Aktien eher bessere Leistungen gebracht haben. Deshalb sollten rund 20% des Anlagegeldes in Aktien investiert werden.

 

Aktien sind im Unterschied zu festverzinslichen Wertpapieren, die ja letztlich einen Kredit darstellen, tatsächliche Beteiligungen an Unternehmen. Ein Aktionär ist also ein Teilhaber an einem Unternehmen – natürlich meist nur mit einem sehr kleinen Anteil. Dieser Anteil (die Aktie) hat einen Kurs, der über die Börse festgestellt wird, und der stärkeren Schwankungen unterliegt. Da die Auswahl von Aktien für Laien nur schwer machbar ist, empfiehlt sich die Hilfe von Profis. Auch hier ist die einfachste Möglichkeit wieder die Wahl von Fonds, nun Aktienfonds. Damit übernimmt ein Profi die tägliche Auswahl von Aktien und hält meist rund 50 bis 100 Aktien gleichzeitig.

 

Hier ein Vorschlag, wie ein solches Depot zusammengestellt sein könnte:

 

sicherheitsorientierter anleger

 

Jetzt taucht hier allerdings der Begriff Mischfonds auf. Dabei handelt es sich um einen Fonds, der sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Der Fondsmanager kann die Anteile ändern, also zum Beispiel in starken Aktienphasen die Aktienquote in seinem Fonds erhöhen.

 

Und wie sieht die Wertentwicklung eines solchen Depots dann aus? Das schwankt natürlich und wird jedes Jahr anders sein. Aber um Euch einen Eindruck zu geben, hier die Wertentwicklung der von uns ausgewählten Fonds in den letzten Jahren:

 

Kalenderjahr

Wertentwicklung (BVI-Methode)

2010

7,31%

2011

1,00%

2012

9,01%

2013

1,62%

2014

8,17%

Durchschnitt

5,4%

 

Bei der Methode wurden die Kosten für das Fondsmanagement bereits abgezogen (BVI-Methode). Wir empfehlen aufgrund der Wertschwankungen und der Kosten dass der Anleger einen Anlagehorizont von 3 oder mehr Jahren mitbringen sollte. Natürlich kann er jederzeit (auch vor Ablauf der 3 Jahre) über das Geld verfügen.

 

Was denkt ihr – für eine sicherheitsorientierte Strategie ist das doch ein guter Rendite-Wert, oder?

Die goldene Mitte: Symbiose aus Sicherheit und Rendite

 

Wem die Sicherheitsstrategie noch zu wenig Rendite bringt und wer 5 oder mehr Jahre Zeit hat, der kann ein ausgewogenes Depot mit rund 50 Prozent festverzinslichen Wertpapieren und rund 50 Prozent Aktien wählen.

 

Wie beim Sicherheitsdepot, gilt auch hier: wer nicht die Kenntnisse und die Zeit hat, ein paar hundert Wert zu analysieren und auszuwählen und zu verfolgen, sollte sich für Fonds entscheiden. Die Strategie besteht dann aus rund 50 Prozent Aktienfonds und rund 50 Prozent Rentenfonds. Wie oben beschrieben bestehen Mischfonds aus Aktien und festverzinslichen Papieren, so dass folgende Zusammenstellung möglich wäre:

 

 

 

goldene-mitte-anleger

 

 

Natürlich will ich Euch auch hier die Wertentwicklung mit von uns ausgewählten Fonds nicht vorenthalten:

 

 

Kalenderjahr

Wertentwicklung (BVI-Methode)

2010

9,71%

2011

-2,77%

2012

11,14%

2013

11,5%

2014

8,26%

Durchschnitt

7,6%

 

In Zeiten, in denen auf dem Sparbuch längst die Null vor dem Komma steht konnte sich der ausgewogenen Anleger also über 7,6% jährlich freuen, und das bei nur einem Jahr mit Verlusten.

Die höchste Rendite: für langfristig denkende Menschen

 

Aber natürlich kannst Du die Sache noch weiter treiben und den Renditebringer, nämlich die Aktien, noch höher gewichten. Aber Achtung: eine Aktienquote von 100% empfiehlt sich nicht. Aus langfristigen Untersuchungen weiß man nämlich, dass eine kleine Beimischung von Rentenpapieren im Durchschnitt in einem Depot noch mehr Rendite bringen. Denn bei einem reinen Aktiendepot kann es auch langfristig “Ausrutscher-Jahre” geben, die die Kurse stark zurück gehen lassen. Wer in einem solchen Jahr verkaufen muss, liegt schlechter als ein Anleger, der einen kleinen Rentenanteil dabei hat.

 

Ich halte deshalb ein Depot mit einer Aktienquote von rund 70% auch für die rendite-orientierten Langfrist-Anleger für ideal:

 

hoechste-rendite-anleger

 

 

Wie ist die Wertentwicklung nun in einem Rendite-Depot, wieder mit den von uns ausgewählten Fonds:

 

 

Kalenderjahr

Wertentwicklung (BVI-Methode)

2010

12,36%

2011

-6,16%

2012

11,89%

2013

13,97%

2014

9,24%

Durchschnitt

8,3%

 

Wer jetzt Angst um sein Geld hat, der kann sich beruhigt zurück lehnen – auch bei der rendite-orientierten Strategie ist die Sicherheit durch Streuung (im oben gezeigten Musterdepot sind rund 500 Titel enthalten) extrem hoch. Es gibt allerdings immer wieder auch Rücksetzer, analog zu den Entwicklungen an den weltweiten Börsen. Deshalb sollte der rendite-orientierte Anleger mehr Zeit mitbringen. 7 oder 8 Jahre mindesten, je länger umso besser.

 

Totgeglaubte leben länger: Auch Versicherungen haben etwas zu bieten

 

Wenn man den Berichten in den Medien oder den Diskussionen in vielen Webforen und sozialen Netzwerken glauben schenken darf, sind Lebensversicherungen (=Rentenversicherungen) vollkommen uninteressant. Doch warum gibt es dann über 90 Millionen Lebensversicherungsverträge alleine in Deutschland?

 

Wer langfristig etwas für’s Alter ansparen möchte – und empfehlenswert ist das praktisch für jeden – kommt an Lebensversicherungen / Rentenversicherungen nämlich kaum vorbei. Allerdings eigenen sie sich auch nur für diesen Zweck wirklich gut. Konkret für diese beiden Fälle:

 

a.) jeden Monat etwas zur Seite legen und mindestens 15 Jahre ansparen

b.) einen Einmalbetrag anlegen, um sofort oder später eine lebenslange Rente ausgezahlt zu bekommen (Ausschluss des Langlebigkeits-Risikos).

 

Unterschieden wird dabei zwischen einer klassischen Rentenversicherung und eine fondsgebundenen Rentenversicherung. Bei der klassischen übernimmt der Versicherer die Kapitalanlage und garantiert Euch eine Mindestverzinsung von zur Zeit 1,25% pro Jahr auf den Sparbeitrag. Er erzielt aber noch Überschüsse, so dass Euer Geld aktuell mit rund 3 bis 4 Prozent pro Jahr verzinst wird. Im Vergleich zu Bankzinsen immer noch gut, aber nicht wirklich erfreulich.

 

Deshalb empfehle ich Euch eine fondsgebundene Rentenversicherung. Bei den oben genannten Anspar-Zeiträumen von 15 oder mehr Jahren können dann hauptsächlich Aktienfonds von Euch ausgewählt werden, so dass ihr – zum Beispiel mit einer Strategie wie oben im Bereich “Höchste-Rendite-Anleger” aufgezeigt – auch 8,3 Prozent jährlich erzielen könnt.

 

Der Hauptvorteil: während man bei normalen Sparanlagen oder bei Depots die Gewinne mit gut 26 Prozent Abgeltungssteuer besteuern muss, entfällt die Besteuerung einer Fondspolice in der Ansparphase komplett. In der Auszahlphase ist sie in der Regel sehr niedrig, zum Beispiel mit der Ertragsanteilsbesteuerung oder mit dem sogenannten Halbeinkünfte-Verfahren.

 

Also wer für’s Alter spart, sollte sich unbedingt auch bei den Versicherern umschauen.

Bloß keine Kapitalmärkte: Strategien ohne Aktien und Anleihen

 

Wer sein Geld für mehr als die Bank-Zinsen anlegen möchte, aber Scheu vor dem täglichen Auf- und Ab- an den Kapitalmärkten hat, kann auch Sachwertinvestments in Betracht ziehen. Aber hier sei gleich eines vorweg gesagt: Sachwertinvestments eigenen sich erst ab mittleren Anlagesummen, zum Beispiel ab 50.000 Euro Gesamtanlagesumme. Denn dem Risiko bei Sachwertinvestments muss man durch eine möglichste breite Streuung ausgleichen. Und wer 5 unterschiedliche Investments mit je 10.000 Euro Anlagesumme kaufen möchte, benötigt eben schon einmal 50.000 Euro.

 

Doch was sind Sachwertinvestments überhaupt? Es letztlich direkte Investitionen in konkrete Objekte wie Immobilien, Schiffe oder Erneuerbare Energien Anlagen. In unserem Bereich sind es meist Anlagen in Windkraftwerke, Photovoltaik-Anlagen oder Wasserkraftwerke.

 

Einige hundert Anleger legen dabei Ihr Geld zusammen und investieren eine Summe in der Größenordnung zwischen 3 Millionen und 100 Millionen Euro. Konkret könnten damit vielleicht 5 Windräder gebaut werden, die dann über die gesetzliche Einspeisevergütung einen garantierten Strompreis erhalten. Aus den mit dem Stromverkauf gewonnenen Geldern werden jährliche Ausschüttungen an die Anleger ausgezahlt, meist im Bereich 6 bis 9 Prozent p.a.